Ein Überlebensbienenvolk der Arbeitsgruppe 2015 – drei Jahre behandlungsfrei

Weitere sehr gute Erfolg unserer Arbeitsgruppe im Jahr 2015

In unserer Arbeitsgruppe kleinzelliger Bienenhaltung haben wir 2013 begonnen die Stöcke alle in einer online – Stockkarte hier im Arbeitskreis zu dokumentieren und zu betreuen. Das ging besser als gedacht.

Nun möchte ich einen Stock zeigen, der in Bayern steht, von unserem nun schon sehr erfahrenen Kollegen S. betreut wird und seit 2012 nicht behandelt wurde.

Wichtig: Die Abkürzungen der Online Stockkarte sind hier erklärt.

Im Jahr 2012 wurde der Stock erstellt mit einer Reinzucht Carnica Königin (Aufzeichnung online Stockkarte):

Stock Nr.: y 1
Stock System: 4,9mm
Stock erstellt: am 20.06.2012
Alter der Königin: Juni 2013
Abstammung: Nachzucht einer Reinzucht Carnica (F1)
Königin Standbegattet in M.

Im Juni des Jahres 2012 wurde der Stock mit Hilfe von Plastikwaben auf die kleine Zellengröße umgestellt und so über den Winter gebracht, was man eigentlich vermeiden sollte. Dann, im nächsten Jahr, wurden 4,9mm Mittelwände zugegeben und es gab Probleme beim Ausbau:

Erste Kontrolle vom 05.05.2013 um 16:00 Uhr
Das Volk Sitzt noch auf Kunststoffwaben hat aber bereits 5 Mittelwände bekommen von dehnen
3 Bereits ausgebaut sind (4,9mm Zellenbau 4 steht für Probleme) mit verdeckelter Brut
2 Mittelwände befinden sich noch im Ausbau (4,9mm Zellenbau 3- 4 steht für leichte Probleme- Probleme)

Stock steht im Bienenhaus M., Südseite, linke Ecke:

Relativ gut ausgebaute Mittelwand mit verdeckelter Brut:

Mittelwand die ich ins Brutnest gegeben habe, sieht gar nicht so schlecht aus:

Eine Mittelwand bei der auch die Drohnenecke gut angenommen wurde:
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Die Drohnenecke:

Die Königin habe ich eigentlich mit einem gelben Opalit Plättchen gezeichnet. Das wird wahrscheinlich abgefallen sein, eine stille Umweiselung kann ich eigentlich ausschließen da ich das Volk durchgehend fast jede Woche kontrolliert habe:

BH – ich bin mir da nicht sicher ob es wirklich BH ist? (siehe Foto 1)
4,9- 3-4
AGG- Ruhig
BieWa- Gut
PropQ- nicht klebrig
BW- 7st.
Wetter- bedeckt 18°C Tracht, Apfel Löwenzahn und Raps beginnend
BW%- 15% Honig
Fu- 5,5kg
Standzahl- 1
Abst- 2,5km
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Die zweite Kontrolle des Stockes am 6.5.2013, gute Brut:
zweite Kontrolle vom 06.05.2013 um 17:00 Uhr
4,9- 3-4
AGG- Ruhig
BieWa- Gut
PropQ- nicht klebrig
BW- 4st.
Wetter- bedeckt 20°C Tracht, Apfel Löwenzahn und Raps beginnend
BW%- 15% Honig
Fu- 5,5kg
Standzahl- 1
Abst- 2,5km

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dritte Kontrolle am 07.05.2013. Probleme beim ausbauen der kleinen Zellen

dritte Kontrolle vom 07.05.2013 um 17:00 Uhr
die beiden Mittelwände die ich am 06.05.2013 eingehängt habe mussten wieder aus dem Brutnest etpfernt werden.
Es scheint im Moment einfach zu viel Tracht (Raps!) zu herrschen.
Ich muss sagen das war schon mal besser, dass was man hier unten sieht ist so schlecht wie überhaupt noch nie!
Jetzt lasse ich die Königin die Kunststoffwaben erst mal wieder voll legen und dann werde ich mit den schwedischen wieder langsam Schritt für Schritt Versuche machen.

4,9- 4
AGG- etwas unruhig
BieWa- mittel
PropQ- wird klebriger
BW- 4st.
Wetter- bedeckt 20°C Tracht, Apfel Löwenzahn und Raps
BW%- 15% Honig
Fu- 5,5kg
Standzahl- 1
Abst- 2,5km

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vierte Kontrolle am 12.5.2013, die kleinen Zellen werden nun viel besser gebaut

vierte Kontrolle vom 12.05.2013 um 18:30 Uhr
ich habe gestern die schwedischen Mittelwände von Th. erhalten und gleich drei davon eingehängt:
Eine fluglochnah am Rand des Brutnestes, eine in der Mitte des Brutnestes und eine am hinteren Rand des Brutnestes.
Interessanter weise wird im Brutnest schlechter ausgebaut als am Rand, die Fluglochnahe Seite scheint noch einen Tick besser ausgebaut zu werden als die entfernte Seite.
Liegt wahrscheinlich daran, dass die Bienen den Honig immer möglichst Fluglochfern einlagern wollen.

4,9- 1-3
AGG- etwas unruhig
BieWa- gut
PropQ- klebrig
BW- 5st.
Wetter- bedeckt, Regenschauer 16°C Tracht, Raps
BW%- 15% Honig
Fu- 6kg
Standzahl- 1
Abst- 2,5km

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fünfte Kontrolle am 17.05.2013, Ablegerbildung:

fünfte Kontrolle vom 17.05.2013 um 15:15 Uhr
von diesem Stock wurde am 15.05.13 ein Ableger gemacht daher die geringere Anzahl an Waben.
(Dem Ableger sind leider die Bienen Abgewandert)

4,9- 3-4
AGG- unruhig
BieWa- schlecht
PropQ- normal
BW- 4st.
Wetter- Sonnig, 25°C
BW%- 15% Honig
Fu- 6kg
Standzahl- 1
Abst- 2,5km

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Im Jahr 2014 hat der Stock immer wieder Probleme beim ausbauen der kleinen Zellen, es gibt jedoch  auch Momente wo er sie gut ausbaut. Das mus man ausnützen um ein gutes Brutnest zu erhalten:
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Datum Kontrolle: 26.04.2014
BH (Hygienischesverhalten in der Arbeiterinnenbrut): auf 2 BW gesehen (eine davon noch kunststoff)
BHD (Hygienischesverhalten in der Drohenbrut): Nein
4,9 1-4 (4,9mm Zellenbau, 1= Sehr gut – 4= Schlecht): 1-4 (in Fluglochnähe wird sehr gut gebaut weiter hinten wird alles vermurkst)
D in % (Drohnenbau in % pro Brutwabe): 15%
AGG Verhalten (Wie verhält sich das Volk): Ruhig
BieWa (Wabenstetigkeit der Bienen): gut
Prop. Qualität (Propolis klebrig oder nicht): Klebrig
BW-Anzahl (Anzahl der Brutwaben): 6
Brutqualität: Gut
Honig auf Brutwaben in %: 20%
Futter in Kg: 6 Kg
Wetter/Temp: Sonnig/21°C
Standzahl (wie viele 4,9mm Völker sind am Stand): 7
Abstand zu großzelligen Völkern: 2,5km
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Die Drohnenecke wird brav für den Drohnenbau genutzt:
gut gebaute Wabe direkt an zweiter Stelle nach dem Flugloch:
BH in der Kunststoffwabe (die Kunststoffwaben rücke ich jetzt an den Rand und entnehme sie wenn die Brut ausgelaufen ist):
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Im Jahr 2015 wurde die Königin gegen eine standbegattete Elgonkönigin ausgetauscht, der Stock legte sehr gut Drohnenbrut in den dafür vorgesehen Ecken an, es zeigte sich gutes hygienisches verhalten und am 23.4.15 wurde ein Ableger erstellt:
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die neue Elgon Königin:
leichte Probleme im Zellenbau:
gut gebaute kleinzellige Waben:
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das sind die Aufzeichnungen vom 13.6.2015:
Das interessante ist daß jetzt plötzlich das Propolis sehr klebrig wird, was ein sehr gutes Zeichen ist und besagt, daß sich die Bienen aktiv gegen die Varroen zur Wehr setzen:
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Hallo zusammen, hier mal mein erstes kleinzelliges Volk wie es bei der letzten Kontrolle ausgesehen hat, habe diesen Stock jetzt seit 2012 (aber mittlerweile mit anderer Königin). Stephan schreibt das es sich bei dem stark lückigen Brutnest um BH handelt, ich tu mich da manchmal noch etwas schwer diese Brutbilder richtig zu beurteilen. Aber wenn ich die Brutbilder mit meinen (parallelgeführten) LC Völkern vergleiche, wird der Unterschied richtig deutlich, denn da gibt es nur annähernd lückenlose Brutflächen (kein BH). :biene:

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Die von uns seit heuer neu eingeführte Tabellenansicht der Stockkarten, die nun sehr übersichtlich ist:
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man sieht einige geöffnete Brutzellen durch das hygienische Verhalten:
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drauf klicken zum vergrößern:
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drauf klicken zum vergrößern:
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Dieser Stock ist seit dem Jahr 2012, also die letzten 3 Jahre ohne Behandlungen ausgekommen. Man sieht daß er sich immer besser gegen die Varroen wehren kann, duch das hygienische Verhalten, durch die kontrolliert angelegte Drohnenbrut und durch das jetzt sehr klebrige Propolis, was eine vorübergehende Aktion der Bienen ist.

8 Antworten auf Ein Überlebensbienenvolk der Arbeitsgruppe 2015 – drei Jahre behandlungsfrei

  1. hans ventura sagt:

    ein weiterer beweis,dass man auch ohne behandlung efolgreich imkern kann!!
    habe auch alle voelker auf kleinen zellen umgestellt.dabei arbeite ich aber sowie mit 4,9mm mass als auch mit 5,1mm.in meinen stocken findet man beide masse und ich finde das geht auch,da in der natur die bienen ja auch verschiedene groessen bauen.ich achte aber,dass die 4,9 er im brutnest plaziert sind.
    auch arbeite ich mit ableger,die im naechsten jahr wirtschaftsvoelker sind.schwaermen diese,nutze ich die schwarmzellen um wieder ableger zu machen.den schwarm logiere ich wieder in das geschwaermte volk zurueck.somit hat es wieder volle staerke und kann mir eine ernte einbringen.
    habe also nie voelker die alt werden,sondern immer wieder neue mit jungen koeniginnen.koeniginnen brauche ich nicht zu zuechten,denn von den schwaermenden voelker fallen genug ab und das sind anscheinend die besten.
    hoffe mit dieser methode behandlungsfrei zu imkern und gute honigertraege zu erzielen.
    fuer mich muss bienenhaltung einfach sein,indem ich ihnen auch nicht vorschreibe was fuer sie gut ist.
    hans aus irland

    • admin sagt:

      hallo Hans,
      ok jeder kann machen was er will, NUR ob das dann klappt ist die Frage.

      Ich für meinen Teil versuche immer etwas was funktioniert EXAKT zu kopieren, denn wenn man Komponenten eines funktionierenden Systems ändert, ist es sehr wahrscheinlich daß es dann eben nicht mehr funktioniert.
      Und bisher bin ich da mit meinen Bienen hervorragend gefahren indem ich genau das nachgemacht habe was uns Ed&Dee Lusby zeigen und bei diesem Stock der Arbeitsgruppe sieht man sehr schön wie gut es funktioniert wenn man sich an die Vorgaben hält. 😉

  2. Paul sagt:

    Starke Leistung,
    Ich hofe meine entwickeln sich auch so gut.
    Meine sind im 2 Jahr wobei ich letztes Jahr behandelt habe.
    Dieses Jahr wird es aber keine Behandlung geben, egal wie es ausgeht.

    • admin sagt:

      hallo Paul,
      Um nicht behandeln zu können musst du aber erst mal lernen mit Bienenstöcken umzugehen die nicht behandelt werden. Und genau das lernen die Praktiker hier im Arbetskreis. Einfach zu sagen „ich behandle nicht“ ist gefährlich, wenn man nicht weiss auf was es ankommt.
      😉

  3. Paul sagt:

    Ah ja, ein Großes Kompliment meiner Seite und ein herzlichen Dankeschön.

  4. martin renes sagt:

    Ich mochte wissen, wen die bienen selbst die waben machen wass ist dann die grosse. 4,9 oder 5,0 oder mehr oder weniger? Und werden die bienen dann auch die varroa vertreiben?
    Ich habe gelernt das man immer varroa behandelen soll. Wenn man das nicht macht dan kan der nachtbarn imker probleme bekommen durch meine bienen die nicht behandelt sind!
    (Pia Ameier biologe deutschland und Nele schouten biotechniek KU Leuven Belgium sagen das wen man nicht gegen varroa behandelt man verbrecher sind).
    Ich wil im Zukunft die bienen halten mit den Einraumbeute bienenkast vom Millifera volgens methode Bert Peoplou Imkermeister Fischermuhle.
    Grusse von Martin Renes aus die Niederlande anfanger Imker.

    • admin sagt:

      hallo Martin,
      wenn die Bienen, die über hundert Jahre auf zu grossen Zellen geführt wurden, nun Naturbau machen dann werden sie große Zellen bauen, so wie sie es die ganze Zeit gewohnt sind. Um natürlicherweise wieder auf das Zellmaß vor hundert Jahren zurückzukommen wird es Jahrzehnte dauern.

      Zur Behandlungspflicht.
      Es besteht eine Behandlungspflicht gegen die Varroen nicht nur in Europa.
      Jedoch sind da inzwischen einige Verantwortliche am umdenken. Denn endlich sehen sie ein daß andauerndes Behandeln die Varroen immer resistenter gegen alles werden läßt, was gegen sie angewendet wird. In Spanien höre ich immer wieder daß jetzt die Verantwortlichen Anweisungen erteilen an die Imker nur dann zu behandeln wenn auch nachweislich Gefahr besteht.

      Meine Frage ist warum denn in Bezug auf Varroaresistenz absolut NICHTS getan wird in Europa:
      http://resistantbees.com/blog/?page_id=486

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